Wirtschaftswachstum Deutschland 2026: +1,0 % nach Stagnation
DatenKonjunkturDeutschland

Wirtschaftswachstum: Deutschland zwischen Rezession und Stagnation

Wie schwach die deutsche Wirtschaft seit 2022 gewachsen ist und ob die Wende gelingt. Nach einem Minus von 1,0 Prozent im Jahr 2023, Stagnation 2024 und nur 0,2 Prozent Wachstum 2025 zieht die Konjunktur 2026 an. Im 2. Quartal 2026 lag das BIP 1,0 Prozent über dem Vorjahr. Dieser Bericht zeigt die amtlichen Daten und die aktuellen Prognosen.

Touseef
Touseef
Senior-Datenanalyst
Methodik
Daten: Statistisches Bundesamt (Destatis), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Stand 25. August 2026; Bundesagentur für Arbeit; Eurostat; Prognosen von Gemeinschaftsdiagnose, ifo, IWF und EU-Kommission.
Hinweis: Wachstumsraten preisbereinigt, Quartalswerte zusätzlich saison- und kalenderbereinigt. Werte ab 2022 im Juli 2026 revidiert. Zusammengestellt von BusinessStats.
+0,3 %BIP 2. Quartal 2026 zum Vorquartal
+1,0 %BIP 2. Quartal 2026 zum Vorjahr
+0,2 %BIP-Wachstum 2025
-1,0 %BIP-Wachstum 2023
1,3 %Prognose 2026 (Gemeinschaftsdiagnose)
6,5 %Arbeitslosenquote August 2026
+0,3 %BIP Q2 2026
+0,2 %BIP 2025
1,3 %Prognose 2026
6,5 %Arbeitslosenquote
Das Wichtigste in Kürze
  • Das deutsche BIP schrumpfte 2023 um 1,0 Prozent, stagnierte 2024 mit 0,0 Prozent und wuchs 2025 um nur 0,2 Prozent.
  • Im 2. Quartal 2026 stieg das BIP um 0,3 Prozent zum Vorquartal und lag 1,0 Prozent über dem Vorjahresquartal.
  • Getragen wird das Wachstum vom Konsum, gebremst von Investitionen und Industrie: Das Verarbeitende Gewerbe schrumpfte 2025 im dritten Jahr in Folge.
  • Im EU-Vergleich wächst Deutschland unterdurchschnittlich: 1,0 Prozent im 2. Quartal 2026 gegenüber 1,4 Prozent in der EU.
  • Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent.

Wirtschaftswachstum in Deutschland im Überblick

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland war in den vergangenen Jahren das schwächste unter den großen Volkswirtschaften Europas. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) schrumpfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 um 1,0 Prozent, 2024 stagnierte es mit 0,0 Prozent, und 2025 wuchs es um 0,2 Prozent. 2026 zieht das Wachstum spürbar an.

Das Bruttoinlandsprodukt misst den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr in Deutschland hergestellt werden, abzüglich der dafür eingesetzten Vorleistungen. Nominal, also in laufenden Preisen, erreichte das deutsche BIP 2025 einen Wert von 4.529,7 Mrd. Euro. Je Einwohnerin und Einwohner waren das 54.240 Euro. Für die Beurteilung des Wachstums ist aber die preisbereinigte Veränderung entscheidend, denn nur sie zeigt, ob tatsächlich mehr produziert wurde oder ob lediglich die Preise gestiegen sind.

Die Jahre seit 2022 werden häufig als Phase zwischen Rezession und Stagnation beschrieben. Beides trifft zu: Im Winter 2022/23 schrumpfte die Wirtschaft zwei Quartale in Folge, was als technische Rezession gilt. Danach bewegte sich das BIP über mehr als zwei Jahre kaum vom Fleck. Ursachen waren der Energiepreisschock nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, hohe Zinsen, die Schwäche der Industrie und ab 2025 die US-Zölle. Erst seit dem 4. Quartal 2025 wächst die Wirtschaft wieder spürbar.

Begriffe: Rezession, Stagnation, Wachstum
  • Technische Rezession: Das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP sinkt in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gegenüber dem Vorquartal.
  • Stagnation: Die Wirtschaftsleistung wächst über einen längeren Zeitraum kaum oder gar nicht, wie 2024 mit 0,0 Prozent.
  • Preisbereinigt: Die Veränderung ohne den Einfluss von Preissteigerungen, auch reales Wachstum genannt.
  • Kalenderbereinigt: Bereinigt um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage. 2025 lag das kalenderbereinigte Wachstum mit 0,3 Prozent etwas über dem unbereinigten Wert von 0,2 Prozent.

BIP-Wachstum je Quartal seit 2022

Die Quartalszahlen zeigen den Verlauf der Konjunktur genauer als die Jahreswerte. Nach einem guten Start in das Jahr 2022 mit plus 0,8 Prozent verlor die Wirtschaft mit dem Krieg und dem Energiepreisschock an Schwung. Im 4. Quartal 2022 sank das BIP um 0,3 Prozent, im 1. Quartal 2023 um 0,7 Prozent. Damit befand sich Deutschland im Winter 2022/23 in einer technischen Rezession.

BIP-Wachstum in Deutschland je Quartal, 2022 bis 2026 (in %)
Veränderung des preis-, saison- und kalenderbereinigten BIP gegenüber dem Vorquartal.
Genaue Werte in der Tabellenansicht.

Technische Rezession im Winter 2022/23: Im 4. Quartal 2022 und im 1. Quartal 2023 schrumpfte die Wirtschaft zwei Quartale in Folge. Nach zwei Nullquartalen Mitte 2025 wächst sie seit dem 4. Quartal 2025 wieder spürbar, zuletzt um 0,3 Prozent im 2. Quartal 2026.

Von Mitte 2023 bis Ende 2024 wechselten sich kleine Plus- und Minusquartale ab, keines lag über 0,2 Prozent. Auch das Jahr 2025 begann schwach: Auf ein Plus von 0,1 Prozent im 1. Quartal folgten zwei Quartale mit 0,0 Prozent. Erst im 4. Quartal 2025 wuchs das BIP wieder um 0,3 Prozent, im 1. Quartal 2026 um 0,4 Prozent und im 2. Quartal 2026 erneut um 0,3 Prozent.

Im Vorjahresvergleich lag das preisbereinigte BIP im 2. Quartal 2026 um 1,0 Prozent über dem Wert des 2. Quartals 2025. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den Vorjahren, bleibt aber im historischen Vergleich bescheiden. Die erste Schnellmeldung vom 30. Juli 2026 hatte noch ein Plus von 0,2 Prozent zum Vorquartal ausgewiesen, mit den ausführlichen Ergebnissen vom 25. August 2026 wurde der Wert auf 0,3 Prozent angehoben.

Entwicklung seit 2022

Auf Jahresbasis ergibt sich das Bild von drei verlorenen Jahren. 2022 wuchs die Wirtschaft trotz Energiekrise noch um 1,9 Prozent, getragen vom Nachholeffekt nach der Pandemie. 2023 folgte ein Rückgang um 1,0 Prozent, 2024 Stagnation und 2025 ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent.

BIP-Wachstum in Deutschland, 2022 bis 2025 und Prognose 2026 bis 2027 (in %)
Preisbereinigte Veränderung des BIP gegenüber dem Vorjahr, 2026 und 2027 laut Gemeinschaftsdiagnose.
Genaue Werte in der Tabellenansicht.

Drei Jahre ohne echtes Wachstum: Auf minus 1,0 Prozent im Jahr 2023 folgten Stagnation 2024 und ein Plus von nur 0,2 Prozent 2025. Für 2026 erwarten die Institute 1,3 Prozent.

Die Zahlen haben sich mit der turnusmäßigen Revision im Juli 2026 teils deutlich verändert. Destatis hat die Ergebnisse der Jahre 2022 bis 2025 überarbeitet und neue statistische Informationen einbezogen. Besonders stark fiel die Korrektur für 2024 aus: Bisher war ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent ausgewiesen worden, nach den neuen Daten stagnierte sie mit 0,0 Prozent. Für 2023 wurde der Rückgang dagegen von 0,9 auf 1,0 Prozent verstärkt, 2022 leicht von 1,8 auf 1,9 Prozent angehoben. Der Wert für 2025 blieb mit 0,2 Prozent unverändert.

Kennzahl202320242025
BIP, preisbereinigte Veränderung-1,0 %0,0 %+0,2 %
BIP, nominal4.254,9 Mrd. €4.386,9 Mrd. €4.529,7 Mrd. €
BIP je Einwohner51.088 €52.528 €54.240 €
Erwerbstätige45,909 Mio.45,960 Mio.45,878 Mio.
Erwerbslosenquote (ILO)2,8 %3,2 %3,5 %
Sparquote der privaten Haushalte10,2 %11,0 %10,1 %

Der Unterschied zwischen nominalem und realem Wachstum zeigt, wie stark die Preise die Zahlen prägen. Von 2023 bis 2025 stieg das nominale BIP um 274,8 Mrd. Euro, während die preisbereinigte Wirtschaftsleistung 2025 noch unter dem Niveau von 2022 lag. Ein großer Teil des nominalen Zuwachses ist also Inflation und kein echtes Wachstum.

Was das Wachstum antreibt und was es bremst

Der Blick auf die Verwendungsseite des BIP zeigt, woher das schwache Wachstum kam. 2025 stützten vor allem der private und der staatliche Konsum die Wirtschaft. Die privaten Konsumausgaben stiegen laut Destatis preisbereinigt um 1,4 Prozent, besonders stark die Ausgaben für Gesundheit mit 3,8 Prozent. Der Staatskonsum wuchs um 1,5 Prozent, vor allem durch höhere Ausgaben der Sozialversicherungen für Gesundheit und Pflege.

Verwendung des BIP in Deutschland, 2025 (Veränderung in %)
Preisbereinigte Veränderung wichtiger Nachfragekomponenten gegenüber 2024.
Genaue Werte in der Tabellenansicht.

Konsum trägt, Investitionen und Exporte bremsen: 2025 wuchsen privater und staatlicher Konsum um 1,4 und 1,5 Prozent, während die Ausrüstungsinvestitionen um 2,3 Prozent sanken und die Exporte zum dritten Mal in Folge zurückgingen.

Auf der anderen Seite standen Investitionen und Außenhandel. Die Ausrüstungsinvestitionen, also Ausgaben der Unternehmen für Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, sanken 2025 um 2,3 Prozent. Die Bauinvestitionen gingen um 0,9 Prozent zurück, zum fünften Mal in Folge. Die Exporte schrumpften um 0,3 Prozent und damit im dritten Jahr hintereinander. Destatis nennt als Gründe höhere US-Zölle, die Aufwertung des Euro und stärkere Konkurrenz aus China. Wie sich der Warenhandel im Detail entwickelt, zeigt unser Bericht zum deutschen Außenhandel.

Im Jahr 2026 hat sich das Bild teilweise gedreht. Im 2. Quartal 2026 stiegen die Exporte um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal und lagen 3,7 Prozent über dem Vorjahresquartal. Die Ausrüstungsinvestitionen lagen im Vorjahresvergleich 1,1 Prozent höher, sanken aber gegenüber dem Vorquartal um 1,4 Prozent. Der private und der staatliche Konsum wuchsen jeweils nur um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Die Sparquote der privaten Haushalte lag im 2. Quartal 2026 bei 9,6 Prozent.

Treiber und Bremsen im Überblick
  • Treiber: privater Konsum (plus 1,4 Prozent 2025), Staatskonsum (plus 1,5 Prozent 2025), anziehende Exporte 2026.
  • Bremsen: sinkende Ausrüstungsinvestitionen (minus 2,3 Prozent 2025), fünftes Minusjahr am Bau, schwache Industrie.
  • Belastungen von außen: US-Zölle, Konkurrenz aus China, Energiepreise.
  • Stütze 2026: expansive Finanzpolitik, laut ifo mit zusätzlichen staatlichen Ausgaben von knapp 40 Mrd. Euro im Jahr 2026.

Industrie und Bau im Abwärtstrend

Die Industrie ist der größte Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft. Die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe sank 2025 laut Destatis um 1,3 Prozent, im dritten Jahr in Folge. Im Baugewerbe ging die Wertschöpfung sogar um 3,6 Prozent zurück. Dagegen wuchsen die öffentlichen Dienstleister, Erziehung und Gesundheit um 1,4 Prozent.

Auch die jüngsten Produktionsdaten zeigen keine Trendwende. Im Juli 2026 sank die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 1,1 Prozent gegenüber Juni und lag kalenderbereinigt 1,6 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Die Industrieproduktion ohne Energie und Bau fiel um 2,2 Prozent zum Vormonat und um 3,3 Prozent zum Vorjahr. In der Automobilindustrie brach die Produktion wegen mehrwöchiger Produktionspausen um 9,2 Prozent gegenüber Juni ein. Die energieintensiven Industriezweige produzierten 1,7 Prozent weniger als im Vormonat.

Hinter der Schwäche stehen strukturelle Belastungen: hohe Energiekosten seit dem Ende der russischen Gaslieferungen, wachsende Konkurrenz aus China in Branchen wie Auto, Maschinenbau und Chemie sowie Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten. Wie stark sich die Energieversorgung verändert hat, zeigt unser Bericht zu den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland.

Arbeitsmarkt: Beschäftigung sinkt, Arbeitslosigkeit steigt

Lange blieb der Arbeitsmarkt trotz schwacher Konjunktur robust. Das ändert sich inzwischen. 2025 lag die Zahl der Erwerbstätigen mit 45,878 Mio. erstmals seit Jahren unter dem Vorjahreswert. Im 2. Quartal 2026 waren 45,7 Mio. Menschen erwerbstätig, 212.000 oder 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Produktivität je erwerbstätiger Person stieg dadurch um 1,5 Prozent.

Die registrierte Arbeitslosigkeit ist entsprechend gestiegen. Im August 2026 waren laut Bundesagentur für Arbeit 3.061.000 Menschen arbeitslos gemeldet, 36.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent. Die Unterbeschäftigung, die auch Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen umfasst, betrug 3.674.000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Juni 2026 bei 34,81 Mio. und damit 73.000 unter dem Vorjahr.

Die Erwerbslosenquote nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die für internationale Vergleiche genutzt wird, stieg laut Destatis von 2,8 Prozent im Jahr 2023 auf 3,5 Prozent im Jahr 2025. Sie liegt niedriger als die Quote der Bundesagentur, weil sie nur Personen zählt, die in der Berichtswoche keinerlei Arbeit hatten und aktiv suchten.

Vergleich mit der EU

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den Schlusslichtern. Laut Eurostat wuchs die Wirtschaft im Euroraum 2025 um 1,5 Prozent und in der EU um 1,6 Prozent, während das deutsche BIP nach Destatis-Angaben nur um 0,2 Prozent zulegte. Polen erreichte 3,6 Prozent, Spanien 2,6 Prozent und die Niederlande 1,8 Prozent.

BIP-Wachstum im EU-Vergleich, 2. Quartal 2026 (Veränderung zum Vorjahresquartal in %)
Saisonbereinigtes BIP im Vergleich zum 2. Quartal 2025.
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Deutschland unter dem Durchschnitt: Mit 1,0 Prozent lag das Wachstum im 2. Quartal 2026 unter dem Euroraum (1,2 Prozent) und der EU (1,4 Prozent), aber doppelt so hoch wie in Frankreich.

Im 2. Quartal 2026 hat Deutschland den Abstand verringert. Mit einem Plus von 1,0 Prozent zum Vorjahresquartal lag das Wachstum knapp unter dem Euroraum mit 1,2 Prozent und der EU mit 1,4 Prozent, aber gleichauf mit Italien und doppelt so hoch wie in Frankreich mit 0,5 Prozent. Im 1. Quartal 2026, als die Wirtschaft im Euroraum laut Eurostat um 0,2 Prozent schrumpfte, wuchs Deutschland sogar überdurchschnittlich.

Spitzenreiter in Europa bleiben die Länder in Mittel- und Südeuropa. Polen wuchs im 2. Quartal 2026 um 3,8 Prozent zum Vorjahr, Spanien um 2,7 Prozent. Österreich war im 2. Quartal 2026 der einzige Mitgliedstaat, dessen Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal zurückging.

Prognosen für 2026 und 2027

Die jüngsten Prognosen sind deutlich optimistischer als noch im Frühjahr. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom 24. September 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent für 2026 und 1,1 Prozent für 2027. Im Frühjahr hatten sie für 2026 noch 0,6 Prozent vorhergesagt. Das ifo Institut rechnet in seiner Herbstprognose vom 3. September 2026 mit 1,4 Prozent für 2026 und 1,2 Prozent für 2027.

Prognosen für das BIP-Wachstum in Deutschland, 2026 und 2027 (in %)
Jüngste Prognosen wichtiger Institutionen mit Veröffentlichungsmonat.
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Prognosen steigen: Die Herbstprognosen vom September 2026 liegen für 2026 mit 1,3 bis 1,4 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die Frühjahrsprognose der EU-Kommission.

Ältere Prognosen liegen darunter. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte im Juli 2026 seine Prognose für Deutschland auf 0,7 Prozent für 2026 und 1,0 Prozent für 2027. Die EU-Kommission ging im Mai 2026 von 0,6 Prozent für 2026 und 0,9 Prozent für 2027 aus. Beide Prognosen entstanden vor den stärkeren Quartalszahlen und unter dem Eindruck steigender Energiepreise.

Als Gründe für die Aufwärtskorrektur nennen die Institute einen weniger schweren Energiepreisschock als befürchtet, anziehende Exporte und höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Das ifo Institut verweist darauf, dass die Energiepreise infolge des Iran-Kriegs deutlich gestiegen sind, die Inflation angetrieben und konsumnahe Dienstleister belastet haben. Für 2026 erwartet ifo eine Inflationsrate von 2,8 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent. Die Gemeinschaftsdiagnose warnt zugleich, dass der Aufschwung auf schmaler Basis stehe, und rechnet für 2028 nur noch mit 0,4 Prozent Wachstum.

InstitutionVeröffentlichung20262027
ifo Institut3. September 20261,4 %1,2 %
Gemeinschaftsdiagnose24. September 20261,3 %1,1 %
Internationaler WährungsfondsJuli 20260,7 %1,0 %
Europäische Kommission21. Mai 20260,6 %0,9 %

Ausblick: Ende der Stagnation?

Die Daten für das 1. Halbjahr 2026 sprechen dafür, dass die Phase der Stagnation zu Ende geht. Drei Quartale in Folge mit Wachstum von 0,3 bis 0,4 Prozent hat es seit 2022 nicht gegeben. Sollte sich dieses Tempo halten, wäre 2026 das wachstumsstärkste Jahr seit 2022.

Die Risiken bleiben allerdings erheblich. Die Industrieproduktion ist im Juli 2026 erneut gesunken, die Arbeitslosigkeit steigt, und die Ausrüstungsinvestitionen sind im 2. Quartal 2026 zurückgegangen. Ein großer Teil des Wachstums hängt an staatlichen Ausgaben und an der Exportnachfrage, die von Zöllen und Energiepreisen abhängt. Die strukturellen Probleme, von den Energiekosten über den Fachkräftemangel bis zur schwachen Produktivität, lassen sich nach Einschätzung der Institute nicht in wenigen Quartalen lösen. Der Staat hatte 2025 ein Defizit von rund 107 Mrd. Euro oder 2,4 Prozent des BIP.

Wirtschaftswachstum in Zahlen

4.529,7 Mrd. €
BIP 2025, nominal
54.240 € je Einwohner
+0,4 %
BIP 1. Quartal 2026
stärkstes Quartal seit Anfang 2022
-1,3 %
Verarbeitendes Gewerbe 2025
drittes Minusjahr in Folge
3.061.000
Arbeitslose August 2026
Quote 6,5 %

Häufig gestellte Fragen

Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg 2025 um 0,2 Prozent, kalenderbereinigt um 0,3 Prozent. Nominal erreichte das BIP 4.529,7 Mrd. Euro.

Nein. Nach den aktuellen Destatis-Daten wächst die Wirtschaft seit dem 4. Quartal 2025 wieder spürbar, im 2. Quartal 2026 um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Eine technische Rezession mit zwei Minusquartalen in Folge gab es zuletzt im Winter 2022/23.

Stagnation bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung über längere Zeit kaum wächst oder schrumpft. Deutschland stagnierte 2024 laut revidierten Destatis-Daten mit einem Wachstum von 0,0 Prozent.

Im 1. Halbjahr 2026 wuchs das BIP um 0,4 und 0,3 Prozent je Quartal, im 2. Quartal lag es 1,0 Prozent über dem Vorjahr. Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet für 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent.

Belastend wirken laut Destatis vor allem schwache Exporte durch US-Zölle, Konkurrenz aus China und sinkende Investitionen. 2025 fiel die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe um 1,3 Prozent, im dritten Jahr in Folge.

Im August 2026 waren laut Bundesagentur für Arbeit 3.061.000 Menschen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent. Das waren 36.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Im 2. Quartal 2026 lag das deutsche BIP 1,0 Prozent über dem Vorjahresquartal, im Euroraum waren es 1,2 und in der EU 1,4 Prozent. Spanien kam auf 2,7, Frankreich auf 0,5 Prozent.

Quellen

Statistisches Bundesamt (Destatis) - Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2026, 25. August 2026.

Destatis - BIP im 2. Quartal 2026 und Revision der Ergebnisse, 30. Juli 2026.

Destatis - Bruttoinlandsprodukt je Quartal, Stand 25. August 2026.

Destatis - Wichtige gesamtwirtschaftliche Größen, Stand 25. August 2026.

Destatis - Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 um 0,2 % gewachsen, 15. Januar 2026.

Destatis - Produktion im Juli 2026, 7. September 2026.

Bundesagentur für Arbeit - Arbeitsmarkt im August 2026.

Eurostat - BIP und Beschäftigung im 2. Quartal 2026, 7. September 2026.

Eurostat - BIP im 4. Quartal und im Jahr 2025, 13. Februar 2026.

Eurostat - BIP im 1. Quartal 2026, 5. Juni 2026.

ifo Institut - ifo Konjunkturprognose Herbst 2026, 3. September 2026.

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose - Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026, 24. September 2026.

Internationaler Währungsfonds - World Economic Outlook Update, Juli 2026.

Europäische Kommission - Frühjahrsprognose 2026 für Deutschland, 21. Mai 2026.

Wachstumsraten preisbereinigt, Quartalswerte zusätzlich saison- und kalenderbereinigt. Jahreswerte 2022 bis 2025 nach der Revision vom Juli 2026. Angaben zu Nachfragekomponenten und Wirtschaftsbereichen 2025 nach Stand Januar 2026. Prognosen sind keine amtlichen Daten. Zusammengestellt von BusinessStats.