Überblick
Warum Internetdaten je nach Messmethode verschieden ausfallen
Kaum ein Themenfeld wird so häufig mit Zahlen belegt wie das Internet, und kaum eines ist so anfällig für Missverständnisse. Der Grund liegt in den sehr unterschiedlichen Datenquellen. Repräsentative Befragungen wie die europaweit abgestimmte Erhebung zur IKT-Nutzung privater Haushalte, die in Deutschland von Destatis durchgeführt wird, fragen Menschen nach ihrem Verhalten. Technische Messungen zählen dagegen Seitenaufrufe, Besuche oder Datenvolumen. Plattformen wiederum melden eigene Nutzerzahlen, deren Definitionen sie selbst festlegen. Alle drei Ansätze liefern wertvolle Internet Daten, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Befragungen erfassen Personen und erlauben Auswertungen nach Alter, Bildung oder Region. Sie beruhen jedoch auf Selbstauskünften, die Nutzungsdauer oft unter- oder überschätzen. Messdaten sind präzise, erfassen aber Geräte, Browser oder Cookies statt Menschen. Wer auf Smartphone, Tablet und Laptop surft, kann mehrfach gezählt werden, sofern Anbieter die Daten nicht geräteübergreifend bereinigen. Deshalb arbeiten Reichweitenwährungen wie die der AGOF mit Modellen, die technische Messung und Befragung verbinden, um aus Geräten hochgerechnete Personen zu machen.
Besonders vorsichtig sollte man mit Plattformangaben umgehen. Wenn ein soziales Netzwerk „monatlich aktive Nutzer“ meldet, legt es selbst fest, was als aktiv gilt, und nicht selten werden Definitionen im Zeitverlauf geändert. Solche Zahlen sind weder unabhängig geprüft noch zwischen Plattformen vergleichbar. Hinzu kommen Mehrfachkonten, Unternehmensprofile und automatisierte Accounts. Für belastbare Aussagen über die Bevölkerung sind repräsentative Studien daher meist besser geeignet, während Plattformzahlen eher die eigene Entwicklung eines Anbieters beschreiben.
Auch bei sensiblen Themen wie Cyberkriminalität gilt: Die Datenquelle bestimmt die Aussage. Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet nur angezeigte Fälle ab, das sogenannte Hellfeld. Viele Angriffe werden aber nie gemeldet oder von den Betroffenen gar nicht bemerkt, sodass steigende Fallzahlen auch eine höhere Anzeigebereitschaft widerspiegeln können. Lagebilder von Sicherheitsbehörden und Unternehmensbefragungen ergänzen deshalb das Bild. Seriöse Internet Statistiken machen solche Grenzen transparent. Auf Business Stats nennt jede Grafik ihre Originalquelle und das Veröffentlichungsdatum, und Prognosen werden getrennt von gemessenen Werten ausgewiesen.