Überblick
Wie Finanz- und Immobiliendaten zusammenhängen
Im Zentrum der Finanzstatistik steht der Zins. Die Europäische Zentralbank legt die Leitzinsen für den Euroraum fest; ihr EZB-Rat entscheidet darüber in geldpolitischen Sitzungen, die in der Regel alle sechs Wochen stattfinden. Wie schnell sich diese Entscheidungen auf Sparzinsen, Unternehmenskredite und Baufinanzierungen übertragen, zeigt die MFI-Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank. Sie unterscheidet zwischen Neugeschäft und Bestand – ein wichtiger Punkt, denn ältere Kredite mit langer Zinsbindung reagieren kaum auf aktuelle Zinsänderungen, während sich das Neugeschäft oft schnell anpasst.
Für Immobilien gibt es in Deutschland mehrere Preisindizes, die sich methodisch deutlich unterscheiden. Der Häuserpreisindex von Destatis beruht auf tatsächlichen Transaktionen, die aus Daten der Gutachterausschüsse gewonnen werden, und bildet selbst genutztes Wohneigentum ab. Der vdp-Immobilienpreisindex stützt sich auf Transaktionsdaten aus Immobilienfinanzierungen von Pfandbriefbanken. Angebotsbasierte Indizes wiederum werten Inserate aus und zeigen Preisvorstellungen, nicht erzielte Preise. Wer Preisentwicklungen vergleicht, sollte daher wissen, ob Kaufpreise, Angebotspreise oder Bewertungen zugrunde liegen und ob der Index Qualitätsunterschiede der Objekte herausrechnet.
Die Versicherungswirtschaft wird in Deutschland von der BaFin beaufsichtigt, die Unternehmensdaten nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben erhebt und veröffentlicht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergänzt diese mit Branchenstatistiken zu Beitragseinnahmen, Leistungen und Schäden nach Sparten. Die Kennzahlen unterscheiden sich stark zwischen Lebens-, Kranken- sowie Schaden- und Unfallversicherung. So sagt eine steigende Schaden-Kosten-Quote in der Kfz-Versicherung etwas völlig anderes aus als eine steigende Beitragssumme in der Lebensversicherung, die auch durch Einmalbeiträge geprägt sein kann.
Ein verbindendes Element ist das Geldvermögen der privaten Haushalte, das die Bundesbank in ihrer Finanzierungsrechnung vierteljährlich ausweist. Es zeigt, wie viel in Bankeinlagen, Wertpapieren, Versicherungen und Pensionsansprüchen gehalten wird – nicht jedoch Immobilien, die zum Sachvermögen zählen. Auf dieser Seite trennen wir gemessene Werte von Prognosen, etwa zu Zins- oder Preisentwicklungen, und nennen bei jeder Grafik die Originalquelle mit Veröffentlichungsdatum. So bleiben Finanzen Statistiken nachvollziehbar und für eigene Analysen weiterverwendbar.