Überblick
Wie sich Sport in Zahlen fassen lässt
Sport lässt sich aus drei Blickwinkeln messen: als Aktivität der Bevölkerung, als organisierte Struktur in Vereinen und Verbänden und als Wirtschaftsfaktor mit Umsätzen, Arbeitsplätzen und Medienrechten. Jede Perspektive hat eigene Quellen und eigene Grenzen. Wer Sport & Fitness Statistiken nutzt, sollte deshalb zuerst klären, welche Frage beantwortet werden soll – ob es um die Zahl sportlich aktiver Menschen, um Mitgliedschaften oder um das Geschäft mit Spitzensport geht. Diese drei Größen entwickeln sich keineswegs im Gleichschritt.
Der organisierte Sport ist gut dokumentiert. Der Deutsche Olympische Sportbund veröffentlicht jährlich eine Bestandserhebung auf Basis der Meldungen seiner Landessportbünde und Fachverbände. Sie zählt Mitgliedschaften, nicht Personen: Wer in zwei Vereinen oder für mehrere Sportarten gemeldet ist, kann mehrfach erscheinen. Für den kommerziellen Fitnessmarkt erhebt der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) gemeinsam mit Partnern Eckdaten zu Studios, Mitgliedern und Umsätzen. Nicht erfasst werden in beiden Quellen Menschen, die ohne Mitgliedschaft laufen, Rad fahren oder zu Hause trainieren.
Um diese Lücke zu schließen, dienen Bevölkerungsbefragungen. Gesundheitssurveys des Robert Koch-Instituts erfassen körperliche Aktivität, die Europäische Kommission untersucht Sport- und Bewegungsverhalten im Eurobarometer. Befragungsergebnisse hängen allerdings stark von der Fragestellung ab: Ob „regelmäßig“ einmal pro Woche oder täglich bedeutet, verändert das Ergebnis erheblich. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Bewegungsempfehlungen, an denen viele Studien ihre Auswertungen ausrichten. Hinzu kommt, dass Selbstauskünfte zu körperlicher Aktivität tendenziell großzügiger ausfallen als gemessene Werte, etwa aus Schrittzählern oder Beschleunigungssensoren. Befragungsdaten eignen sich daher vor allem für Vergleiche innerhalb derselben Studie über die Zeit.
Für die Sportwirtschaft liefern Ligen und Verbände die wichtigsten Sport Daten: Die DFL veröffentlicht einen Wirtschaftsreport zu Erlösen und Kosten der Bundesliga-Clubs, die UEFA analysiert die Finanzen europäischer Vereine. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert mit dem Sportsatellitenkonto eine Rechnung, die Sport als Teil der Volkswirtschaft abbildet. Bei jeder Grafik nennen wir Quelle und Veröffentlichungsdatum und trennen gemeldete Werte von Schätzungen. Clubfinanzen folgen dabei meist der Spielzeit statt dem Kalenderjahr, und Transfererlöse schwanken von Saison zu Saison stark.