Überblick
Warum Ländervergleiche mehr verlangen als eine Rangliste
Wer Staaten miteinander vergleicht, vergleicht selten dieselbe Messgröße. Ein Bruttoinlandsprodukt in Landeswährung muss erst umgerechnet werden, und schon die Wahl des Umrechnungsverfahrens verändert das Bild erheblich. Marktwechselkurse spiegeln die internationale Kaufkraft einer Volkswirtschaft wider, schwanken aber mit Zinsen, Kapitalflüssen und Spekulation. Kaufkraftparitäten (KKP) dagegen berücksichtigen, dass Waren und Dienstleistungen in Schwellenländern meist günstiger sind als in Hocheinkommensländern. Für Fragen des Lebensstandards sind KKP-Werte deshalb in der Regel aussagekräftiger, für Handels- und Finanzströme eher Wechselkurswerte.
Ebenso wichtig ist die Bezugsgröße. Absolute Werte zeigen das Gewicht eines Landes in der Weltwirtschaft, sagen aber wenig über die Lage seiner Einwohner. Pro-Kopf-Kennzahlen gleichen Unterschiede in der Bevölkerungsgröße aus, verdecken jedoch die Verteilung innerhalb eines Landes. Ein hohes durchschnittliches Einkommen kann mit großer Ungleichheit einhergehen, und in kleinen Staaten mit vielen Grenzpendlern oder Konzernsitzen kann das BIP pro Kopf die Einkommen der Bevölkerung deutlich überzeichnen. Aussagekräftige Internationale Länderdaten Statistiken kombinieren daher Niveau, Pro-Kopf-Wert und Verteilungsmaße wie den Gini-Koeffizienten oder Einkommensquintile.
Hinzu kommen methodische Unterschiede zwischen nationalen Statistikämtern. Arbeitslosigkeit etwa wird national oft nach Registerdaten gemeldet, international aber nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auf Basis von Haushaltsbefragungen berechnet. Auch Revisionen, geänderte Basisjahre der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen oder die Einbeziehung der Schattenwirtschaft können Zeitreihen sprunghaft verschieben. Internationale Organisationen harmonisieren solche Daten, doch Harmonisierung braucht Zeit – harmonisierte Werte erscheinen daher häufig später als nationale Erstveröffentlichungen. Wer aktuelle nationale Zahlen mit älteren harmonisierten Werten mischt, vergleicht im Zweifel unterschiedliche Konzepte.
Schließlich unterscheiden sich Datenlage und Aktualität stark zwischen Weltregionen. Für EU- und OECD-Staaten liegen dichte, vergleichbare Reihen vor, während in Teilen Afrikas, Asiens oder Ozeaniens Volkszählungen seltener stattfinden und Werte häufiger geschätzt oder modelliert werden. Seriöse Länderdaten unterscheiden deshalb zwischen gemeldeten Ist-Werten, Schätzungen und Prognosen. Gerade bei Ranglisten lohnt der Blick darauf, ob alle Länder dasselbe Berichtsjahr und denselben Datenstatus haben. Auf Business Stats nennt jede Grafik ihre Originalquelle und das Veröffentlichungsdatum, und Prognosen werden von berichteten Werten getrennt ausgewiesen.