Überblick
Wie Wirtschafts- und Politikdaten zusammen ein Gesamtbild ergeben
Wirtschaftsstatistiken bilden das Fundament für Tarifverhandlungen, Haushaltsplanung, Geldpolitik und unternehmerische Entscheidungen. Im Zentrum steht die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) von Destatis, die mit dem Bruttoinlandsprodukt die gesamte Wirtschaftsleistung misst. Das BIP wird vierteljährlich zunächst als Schnellmeldung veröffentlicht und anschließend mehrfach überarbeitet, wenn weitere Daten eingehen. Größere Revisionen der VGR können zudem ganze Zeitreihen verändern. Wer mit Wirtschaftsdaten arbeitet, sollte daher stets den Veröffentlichungsstand angeben und bei Vergleichen dieselbe Datenversion verwenden. Ergänzend berechnen die Statistischen Ämter der Länder ein BIP für jedes Bundesland, das allerdings mit größerem zeitlichem Abstand erscheint.
Neben diesen „harten“ Daten gibt es Stimmungsindikatoren, die auf Befragungen beruhen. Der ifo Geschäftsklimaindex, die ZEW-Konjunkturerwartungen und Einkaufsmanagerindizes erscheinen früher als amtliche Produktions- oder Umsatzzahlen und gelten daher als Frühindikatoren. Sie messen jedoch Einschätzungen und Erwartungen, nicht die tatsächliche Aktivität. Zwischen Stimmung und späterer Entwicklung besteht zwar häufig ein Zusammenhang, er ist aber keineswegs zwingend – insbesondere in Phasen großer Unsicherheit können beide deutlich auseinanderlaufen. Frühindikatoren sollten deshalb immer zusammen mit den später veröffentlichten amtlichen Daten gelesen werden.
Bei Staatsfinanzen und Politik gelten besondere Anforderungen an Neutralität und Präzision. Steuereinnahmen, Staatsverschuldung und Ausgaben werden in unterschiedlichen Abgrenzungen ausgewiesen: in der Haushaltssystematik des Bundes, in der Finanzstatistik von Destatis oder nach dem europäischen Maastricht-Konzept. Diese Größen sind nicht beliebig austauschbar. Politische Daten wie Wahlergebnisse stammen von der Bundeswahlleiterin und den Landeswahlleitungen und sind amtlich; Umfragen zur Wahlabsicht sind dagegen Stichproben mit statistischer Fehlertoleranz und keine Prognosen des Wahlergebnisses. Auch die Steuerschätzung ist eine Projektion und keine Messung tatsächlicher Einnahmen.
Zu Verteidigung und internationalen Konflikten gibt es keine einheitliche amtliche Statistik. Militärausgaben werden von SIPRI und der NATO nach jeweils eigenen Definitionen erfasst, die sich vom nationalen Verteidigungshaushalt unterscheiden können, etwa bei Pensionen oder Infrastruktur. Daten zu bewaffneten Konflikten erheben Forschungseinrichtungen wie das Uppsala Conflict Data Program; Fluchtbewegungen dokumentiert das UNHCR. Diese Wirtschafts- und Politikdaten werden hier ohne Wertung dargestellt – mit Quelle, Definition und methodischen Hinweisen. Zahlen aus laufenden Konflikten sind häufig vorläufig und werden nachträglich korrigiert, wenn neue Informationen vorliegen.