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Bau
Statistiken zu Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe

Aufträge, Genehmigungen, Preise und Beschäftigung: Bau Statistiken zeigen früh, wohin sich Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau entwickeln. Wir erklären, welche Kennzahlen es gibt, woher sie stammen und wo beim Vergleich Fallstricke lauern.

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–Statistiken
–Letzte Aktualisierung
Baustelle eines mehrgeschossigen Wohngebäudes mit Turmdrehkran, Gerüst und Bauarbeitern, die eine Betondecke vorbereiten Bau

Überblick

Was Baustatistiken über Konjunktur und Wohnraum verraten

Das Baugewerbe reagiert stark auf Zinsen, Materialpreise und öffentliche Haushalte und gilt deshalb als konjunkturell besonders sensibler Sektor. Gleichzeitig bestimmt es, wie schnell Wohnraum entsteht, Infrastruktur erneuert und Gebäude energetisch saniert werden. Bau Statistiken sind darum für Politik, Kreditinstitute, Projektentwickler und Handwerksbetriebe gleichermaßen relevant. Weil zwischen Planung, Genehmigung, Auftrag und Fertigstellung oft Monate bis Jahre liegen, lassen sich aus den Daten verschiedene Phasen des Baugeschehens getrennt ablesen – von frühen Signalen bis zum tatsächlich gebauten Bestand. Auch regional unterscheiden sich die Entwicklungen stark, etwa zwischen wachsenden Ballungsräumen und ländlichen Regionen mit sinkender Bevölkerung.

Die amtliche Statistik unterscheidet nach der Wirtschaftszweigklassifikation zwischen dem Bauhauptgewerbe und dem Ausbaugewerbe. Zum Bauhauptgewerbe zählen Hoch- und Tiefbau, also Rohbau, Straßen-, Leitungs- und Brückenbau. Das Ausbaugewerbe umfasst Elektro- und Sanitärinstallation, Putz, Maler-, Fliesen- und Tischlerarbeiten sowie Dämmung. Beide Bereiche werden in unterschiedlichen Erhebungen mit eigenen Berichtskreisen erfasst. Für Auswertungen ist das wichtig, weil die Entwicklung auseinanderlaufen kann: Bricht der Neubau ein, kann das Ausbaugewerbe durch Sanierungen und Modernisierungen im Bestand noch stabil ausgelastet sein. Zum weiteren Umfeld gehören Baustoffhersteller, Architektur- und Ingenieurbüros sowie Immobilienwirtschaft, die statistisch anderen Wirtschaftszweigen zugeordnet werden.

Die zentralen Konjunkturdaten kommen vom Statistischen Bundesamt: Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe, der Produktionsindex für das Baugewerbe sowie die Statistik der Baugenehmigungen und Baufertigstellungen. Die Baupreisindizes zeigen, wie sich die Preise für Bauleistungen an Wohn- und Nichtwohngebäuden sowie im Straßenbau verändern. Ergänzt werden diese Bau Daten durch Umfragen wie den ifo Geschäftsklimaindex, der Einschätzungen zu Geschäftslage, Auftragsreichweite und Behinderungen der Bautätigkeit abfragt, sowie durch die Bauvolumensrechnung des DIW im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung schließlich erscheinen die Bauinvestitionen als Teil des Bruttoinlandsprodukts, getrennt nach Wohnbauten und Nichtwohnbauten.

Beim Lesen gilt es, Frühindikatoren von Ergebnisgrößen zu trennen. Baugenehmigungen und Auftragseingänge zeigen, was künftig gebaut werden könnte; Fertigstellungen und Umsätze bilden ab, was bereits realisiert wurde. Zwischen beiden stehen Bauüberhänge, also genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Vorhaben, sowie Stornierungen. Hinzu kommt der Unterschied zwischen nominalen und preisbereinigten Werten: In Phasen stark steigender Baupreise können nominale Umsätze wachsen, während die real erbrachte Bauleistung sinkt. Wer das Baugeschehen beurteilt, sollte deshalb stets mehrere Kennzahlen gemeinsam betrachten. Auch Revisionen spielen eine Rolle: Monatsergebnisse werden nachträglich korrigiert, wenn verspätete Meldungen eingehen.

Neueste Statistiken

Bau: aktuelle Grafiken und Daten

Neueste zuerst. Jede Grafik führt zur vollständigen Seite mit Quelle und Anmerkungen.

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Themenbereiche

Bau im Detail: 2 Themenbereiche

Die Bauwirtschaft wird statistisch in zwei Bereiche gegliedert, die sich in Tätigkeiten, Konjunkturverlauf und Erhebungsmethodik deutlich unterscheiden. Beide Bereiche sind eng verzahnt, da auf fast jeder Baustelle Rohbau und Ausbau nacheinander folgen.

Ausbaugewerbe

Installation, Innenausbau, Maler-, Fliesen-, Dämm- und Tischlerarbeiten im Neubau und Bestand. Erfasst werden Umsätze, Beschäftigte, Betriebsgrößen sowie die Bedeutung von Sanierung und energetischer Modernisierung. Weil das Ausbaugewerbe stark von kleinen Handwerksbetrieben geprägt ist, spielen jährliche Strukturerhebungen hier eine besondere Rolle.

UmsatzSanierungInstallation

Bauhauptgewerbe

Hoch- und Tiefbau mit Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlichem Bau. Im Fokus stehen Auftragseingänge, Auftragsbestände, Umsätze, Baugenehmigungen, Fertigstellungen, Baupreise und die Beschäftigung in den Betrieben. Die Daten werden nach Bauherren wie privaten Haushalten, Unternehmen und öffentlicher Hand unterschieden.

AuftragseingangWohnungsbauTiefbau

Kennzahlen

Die wichtigsten Kennzahlen der Bauwirtschaft im Überblick

Diese Übersicht ordnet die gebräuchlichsten Baukennzahlen nach Einheit und typischer Quelle. So lässt sich schnell erkennen, welche Größe für welche Fragestellung geeignet ist. Die Kennzahlen ergänzen sich: Erst in der Zusammenschau lassen sich Nachfrage, Kapazität und Preisdruck sauber voneinander trennen.

KennzahlEinheitTypische QuelleWozu sie dient
Auftragseingang BauhauptgewerbeIndex, EuroDestatisFrühindikator für die künftige Bauleistung, getrennt nach Hochbau, Tiefbau und den verschiedenen Bauherrengruppen
AuftragsbestandIndex, EuroDestatisZeigt das Arbeitspolster der Betriebe und wie lange vorhandene Aufträge die Kapazitäten auslasten
BaugenehmigungenAnzahl Wohnungen und Gebäude, RauminhaltDestatis, Statistische LandesämterMisst geplante Bauvorhaben und erlaubt Rückschlüsse auf den künftigen Wohnungsneubau in Regionen und Gebäudearten
Baufertigstellungen und BauüberhangAnzahl WohnungenDestatis, Statistische LandesämterZeigt realisierten Neubau sowie genehmigte, noch nicht abgeschlossene Vorhaben in der Pipeline
BaupreisindexIndexDestatisVerfolgt die Preise für Bauleistungen und dient zur Preisbereinigung und Wertsicherung von Verträgen
Geschäftsklima BauhauptgewerbeSaldo, Indexifo InstitutErfasst Lageeinschätzung und Erwartungen der Unternehmen sowie Behinderungen durch Auftragsmangel, Materialknappheit oder Witterung
BauvolumenEuro, nominal und realDIW im Auftrag des BBSRUmfasst Neubau und Bestandsmaßnahmen und zeigt das Gewicht der Sanierung im Gesamtbaugeschehen

Lesehilfe

So lesen Sie Baustatistiken richtig

Tipp 1

Genehmigung ist nicht gleich Bau

Eine Baugenehmigung bedeutet nicht, dass tatsächlich gebaut wird. Vorhaben werden verschoben, geändert oder aufgegeben. Genehmigungen zeigen daher eine Tendenz, keine sichere Prognose. Für die tatsächliche Bautätigkeit sind Fertigstellungen und der Bauüberhang aussagekräftiger. Stornierungen werden gesondert kaum erfasst.

Tipp 2

Großaufträge verzerren Monatswerte

Einzelne Großprojekte, etwa im Tiefbau oder bei Industriebauten, können den Auftragseingang eines Monats deutlich nach oben treiben. Gleitende Durchschnitte über drei Monate oder Vorjahresvergleiche glätten solche Ausschläge und zeigen die zugrunde liegende Tendenz zuverlässiger. Dies gilt besonders für den öffentlichen Bau.

Tipp 3

Witterung und Saisonbereinigung

Frost, Starkregen und Feiertage beeinflussen die Bauleistung spürbar. Kalender- und saisonbereinigte Reihen entfernen regelmäßige Muster, nicht aber ungewöhnliche Wetterereignisse. Ein schwacher Wintermonat sollte deshalb immer vor dem Hintergrund der Witterungsbedingungen bewertet werden. Das gilt vor allem für Januar und Februar.

Tipp 4

Berichtskreise beachten

Viele Konjunkturerhebungen erfassen nur Betriebe ab einer bestimmten Beschäftigtenzahl. Kleine Handwerksbetriebe, die im Ausbau stark vertreten sind, fallen teilweise heraus oder werden geschätzt. Vergleiche zwischen Erhebungen mit unterschiedlichen Abschneidegrenzen führen daher leicht zu Fehlschlüssen. Die Methodenhinweise nennen die geltenden Grenzen.

Datenquellen

Woher die Zahlen in dieser Kategorie stammen

Wir greifen auf die Institutionen zurück, die die Primärdaten erheben oder veröffentlichen. Die konkrete Quelle und ihr Veröffentlichungsdatum stehen auf jeder einzelnen Grafik.

Statistisches Bundesamt (Destatis)

Auftragseingang, Umsatz, Produktion, Baugenehmigungen, Fertigstellungen, Baupreisindizes und Beschäftigung im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe

Statistische Ämter der Länder

Regionale Bautätigkeitsstatistik mit Baugenehmigungen und Baufertigstellungen bis auf die Ebene von Kreisen und Gemeinden

ifo Institut

Monatliches Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe mit Lage, Erwartungen, Reichweite der Auftragsbestände und Behinderungsgründen

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Bauvolumensrechnung, Wohnungsmarktbeobachtung sowie Analysen zu Bestandsinvestitionen, Baukosten und zur Entwicklung regionaler Wohnungsmärkte in Deutschland

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB)

Branchenberichte, Konjunkturprognosen und Aufbereitung amtlicher Daten mit Schwerpunkt auf größeren Unternehmen der Bauindustrie

Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB)

Einordnung der Lage im mittelständischen Bau- und Ausbaugewerbe sowie regelmäßige Umfragen unter den Mitgliedsbetrieben der Bauverbände

Eurostat

Harmonisierte Produktions- und Baupreisindizes sowie Baugenehmigungsdaten für Vergleiche der Bautätigkeit zwischen EU-Ländern

Häufige Fragen

Bau-Statistiken: häufige Fragen

Welcher Indikator zeigt am frühesten, wie sich die Baukonjunktur entwickelt?

Als früheste harte Daten gelten Baugenehmigungen und der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe. Noch früher reagieren Stimmungsindikatoren wie das ifo Geschäftsklima, das die Erwartungen der Unternehmen abfragt. Da Umfragen jedoch Einschätzungen und keine realisierten Aufträge messen, empfiehlt es sich, beide Datenarten zu kombinieren und über mehrere Monate zu beobachten, bevor man eine Trendwende feststellt. Hilfreich ist zudem der Blick auf die Reichweite der Auftragsbestände.

Warum unterscheiden sich Baugenehmigungen und Fertigstellungen so stark?

Zwischen Genehmigung und Fertigstellung vergehen je nach Projekt oft ein bis mehrere Jahre. Fertigstellungen spiegeln deshalb Genehmigungen früherer Jahre wider. Zudem werden nicht alle genehmigten Vorhaben umgesetzt, und manche Genehmigungen verfallen. Die Differenz sammelt sich im Bauüberhang, der zeigt, wie viele genehmigte Wohnungen noch nicht fertiggestellt sind, und erklärt zeitliche Verschiebungen zwischen beiden Reihen.

Was misst der Baupreisindex genau?

Der Baupreisindex erfasst die Preise, die Bauherren für ausgewählte, genau beschriebene Bauleistungen zahlen, etwa Erdarbeiten, Mauerarbeiten oder Heizungsinstallation. Aus den Preisen dieser Leistungen wird mit festen Gewichten ein Gesamtindex für eine Gebäudeart berechnet. Grundstückspreise und Baunebenkosten wie Planung oder Gebühren sind nicht enthalten. Er eignet sich daher für Baukosten, nicht aber für Immobilienpreise.

Wie groß ist die Bedeutung der Sanierung im Vergleich zum Neubau?

Die klassischen Konjunkturstatistiken konzentrieren sich stark auf den Neubau. Arbeiten im Bestand wie Modernisierung, Instandsetzung und energetische Sanierung erfasst am umfassendsten die Bauvolumensrechnung von DIW und BBSR. Sie zeigt, dass Bestandsmaßnahmen einen großen Teil des Bauvolumens ausmachen. Wer nur Genehmigungs- und Fertigstellungszahlen betrachtet, unterschätzt daher die Aktivität vor allem im Ausbaugewerbe.

Kann ich diese Baustatistiken für eigene Berichte verwenden?

Ja, sofern Sie die jeweilige Originalquelle nennen. Amtliche Daten von Destatis und den Statistischen Landesämtern dürfen in der Regel unter Angabe der Quelle frei genutzt werden; bei Verbands- und Institutsdaten gelten die dort angegebenen Nutzungsbedingungen. Geben Sie außerdem den Datenstand an, da Konjunkturdaten nachträglich revidiert werden. Bei Business Stats nennt jedes Diagramm die Originalquelle und das Veröffentlichungsdatum.

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