Branche

Agrarwirtschaft
Statistiken zu Landwirtschaft, Forst und Fischerei

Wie viel wird geerntet, zu welchen Preisen verkauft und wie verändern sich Betriebe, Wälder und Fischbestände? Hier finden Sie Agrarwirtschaft Statistiken aus amtlichen und fachlichen Quellen – mit Erläuterungen, wie die Zahlen entstehen und wie man sie richtig liest.

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Überblick

Warum Agrarstatistiken mehr erzählen als Erntemengen

Die Agrarwirtschaft ist gemessen an ihrem Anteil an der Bruttowertschöpfung ein kleiner Sektor, prägt aber den größten Teil der Landesfläche, die Lebensmittelversorgung und die Rohstoffbasis für Holz-, Papier- und Energiewirtschaft. Agrarwirtschaft Statistiken müssen deshalb mehrere Fragen zugleich beantworten: Was wird produziert, von wem, auf welcher Fläche, mit welchem Einkommen und mit welchen Folgen für Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt. Keine einzelne Kennzahl deckt das ab – erst das Zusammenspiel von Produktions-, Preis-, Struktur- und Umweltdaten ergibt ein belastbares Bild. Hinzu kommt die internationale Dimension: Agrarpreise bilden sich zunehmend auf Weltmärkten, sodass Ernten in anderen Kontinenten die Erlöse hiesiger Betriebe beeinflussen.

Ein Großteil der Daten stammt aus der amtlichen Agrarstatistik des Statistischen Bundesamts und der Statistischen Ämter der Länder. Dazu gehören Bodennutzungs- und Ernteerhebungen, Viehbestandserhebungen, die Agrarstrukturerhebung und die Landwirtschaftszählung, die zuletzt für das Jahr 2020 durchgeführt wurde. Ergänzt werden sie durch Verwaltungsdaten, etwa aus der Tierseuchenkasse oder dem Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT), sowie durch die Buchführungsergebnisse des Testbetriebsnetzes, die das Bundeslandwirtschaftsministerium für Einkommensanalysen nutzt. Viele Erhebungen sind durch EU-Verordnungen vorgegeben, damit die Ergebnisse zwischen den Mitgliedstaaten vergleichbar sind und als Grundlage für die Gemeinsame Agrarpolitik dienen können.

Für Forst und Fischerei gelten eigene Erhebungslogiken. Die Bundeswaldinventur erfasst den Wald in größeren Abständen per Stichprobe im Gelände und liefert Holzvorrat, Baumartenzusammensetzung und Zuwachs; die jährliche Waldzustandserhebung beschreibt dagegen den Kronenzustand. In der Fischerei stützen sich Fangdaten auf Logbücher und Anlandeerklärungen, die die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auswertet, während das Thünen-Institut die wissenschaftliche Bestandsbewertung beisteuert, auf der die Fangquoten der EU beruhen. Beide Bereiche sind stark von natürlichen Schwankungen geprägt: Stürme, Dürre und Schädlinge verändern den Holzmarkt, Wassertemperatur und Nahrungsangebot die Entwicklung der Fischbestände. Einzelne Jahreswerte sagen daher wenig über langfristige Trends aus.

Wer Agrarwirtschaft Daten vergleicht, sollte zwei Besonderheiten im Blick behalten. Erstens schwanken Erträge witterungsbedingt stark, sodass ein einzelnes Jahr selten einen Trend belegt; mehrjährige Durchschnitte sind aussagekräftiger. Zweitens ändern sich Erfassungsgrenzen: Werden Mindestgrößen für auskunftspflichtige Betriebe angehoben, sinkt die gezählte Betriebszahl, ohne dass tatsächlich Höfe aufgegeben wurden. Solche methodischen Brüche werden in den Qualitätsberichten der amtlichen Statistik dokumentiert und sollten bei jeder Zeitreihe geprüft werden. Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Erhebungen mit Auskunftspflicht und freiwilligen Umfragen: Letztere liefern oft schneller Ergebnisse, sind aber weniger belastbar.

Themenbereiche

Agrarwirtschaft im Detail: 3 Themenbereiche

Die Agrarwirtschaft gliedert sich statistisch in drei Bereiche mit jeweils eigenen Erhebungen, Einheiten und zuständigen Stellen. Die Übergänge sind fließend, etwa bei Agroforstsystemen oder bei der Teichwirtschaft auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Fischerei & Aquakultur

Anlandungen der See- und Küstenfischerei, Fangquoten, Flottenstruktur sowie Erzeugung in Aquakulturbetrieben. Dazu kommen Daten zu Binnenfischerei, Außenhandel mit Fischereierzeugnissen und zum Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch. Ergänzend werden Bestandsbewertungen herangezogen, die zeigen, ob einzelne Arten nachhaltig befischt werden.

AnlandungenFangquotenAquakultur

Forstwirtschaft

Holzeinschlag, Waldfläche, Holzvorrat und Waldzustand aus Inventuren und laufenden Erhebungen. Ergänzend: Schadholz durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer, Eigentumsstrukturen sowie die Verwendung von Rohholz. So lässt sich nachvollziehen, wie sich Klimastress und Waldumbau auf Holzangebot und Baumarten auswirken.

HolzeinschlagWaldzustandBundeswaldinventur

Landwirtschaft

Anbauflächen, Erntemengen, Viehbestände, Betriebsstrukturen und Erzeugerpreise. Außerdem Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe, ökologischer Landbau, Arbeitskräfte und der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Die Daten reichen von der einzelnen Kultur bis zur Gesamtrechnung des Sektors und erlauben regionale Vergleiche.

ErnteTierhaltungBetriebe

Wertschöpfungskette

Die agrarische Wertschöpfungskette in Zahlen

Vom Betriebsmitteleinsatz bis zum Verbrauch beschreiben unterschiedliche Statistiken jede Stufe. Wer die Kette kennt, versteht, warum Preise und Mengen auf jeder Stufe anders reagieren. Welcher Anteil des Verbraucherpreises am Ende beim Erzeuger ankommt, lässt sich nur durch den Vergleich mehrerer Stufen abschätzen.

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    Vorleistungen

    Saatgut, Futter, Dünger, Energie und Maschinen bilden die Kostenbasis. Einkaufspreisindizes für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Absatzstatistiken für Dünge- und Pflanzenschutzmittel zeigen, wie sich die Produktionskosten entwickeln. Sie bestimmen maßgeblich die Marge.

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    Erzeugung

    Auf Acker, Grünland, im Stall, im Wald und auf See entsteht die Rohware. Ernte- und Viehbestandserhebungen, Holzeinschlagsstatistik und Anlandedaten erfassen Mengen, Flächen und Bestände. Sie bilden den Kern der Agrarstatistik.

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    Erfassung und Handel

    Genossenschaften, Landhandel, Schlachthöfe, Sägewerke und Fischauktionen bündeln die Ware. Schlachtungsstatistik, Milchanlieferung und Marktpreisberichte der BLE dokumentieren diese Stufe. Hier zeigt sich, wie konzentriert die Abnehmerseite ist und welche Preise tatsächlich an Erzeuger gezahlt werden.

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    Verarbeitung

    Molkereien, Mühlen, Fleisch- und Fischverarbeiter sowie die Holzindustrie veredeln die Rohstoffe. Produktions- und Umsatzstatistiken des Verarbeitenden Gewerbes und Außenhandelsdaten beschreiben Volumen und Exportabhängigkeit. Auf dieser Stufe entsteht ein großer Teil der Wertschöpfung.

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    Handel und Verbrauch

    Über Lebensmittelhandel und Gastronomie gelangen Produkte zum Verbraucher. Versorgungsbilanzen, Pro-Kopf-Verbrauch und Verbraucherpreise zeigen, was nachgefragt wird und wie Preisänderungen weitergegeben werden. Sie schließen den Kreis zur Erzeugung.

Neueste Statistiken

Agrarwirtschaft: aktuelle Grafiken und Daten

Neueste zuerst. Jede Grafik führt zur vollständigen Seite mit Quelle und Anmerkungen.

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Lesehilfe

So lesen Sie Agrarstatistiken richtig

Tipp 1

Vorläufig vs. endgültig

Erntemengen werden zunächst geschätzt und nach Abschluss der Ernte- und Betriebsberichterstattung revidiert. Frühe Meldungen können deutlich von endgültigen Werten abweichen. Für Analysen sollte immer der Datenstand angegeben und bei Bedarf auf die endgültigen Ergebnisse gewartet werden.

Tipp 2

Wirtschaftsjahr vs. Kalenderjahr

Viele Agrarbilanzen und Buchführungsergebnisse beziehen sich auf das landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr, das nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. Werte aus unterschiedlichen Zeitabgrenzungen lassen sich nicht ohne Weiteres gegenüberstellen oder addieren. Die Zeitabgrenzung steht in den Tabellenköpfen und Methodenhinweisen.

Tipp 3

Stichtag bei Viehbeständen

Viehbestände sind Momentaufnahmen zu festen Stichtagen. Saisonale Muster, etwa bei Mastschweinen oder Lämmern, führen zu Unterschieden zwischen Erhebungsterminen. Vergleiche sollten deshalb stets denselben Stichtag in verschiedenen Jahren betrachten. Abweichende Termine führen sonst zu Scheinveränderungen. Das gilt auch für Geflügel.

Tipp 4

Menge vs. Wert

Steigt der Produktionswert, kann das an höheren Preisen statt an größeren Mengen liegen. Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung weist Werte nominal und preisbereinigt aus; nur die preisbereinigte Reihe zeigt die reale Entwicklung der Erzeugung. Beide Reihen sollten stets gemeinsam betrachtet werden.

Datenquellen

Woher die Zahlen in dieser Kategorie stammen

Wir greifen auf die Institutionen zurück, die die Primärdaten erheben oder veröffentlichen. Die konkrete Quelle und ihr Veröffentlichungsdatum stehen auf jeder einzelnen Grafik.

Statistisches Bundesamt (Destatis)

Bodennutzung, Ernte, Viehbestände, Agrarstrukturerhebung, Holzeinschlag, Aquakultur und Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte aus der amtlichen Agrarstatistik

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)

Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Buchführungsergebnisse des Testbetriebsnetzes und jährliche Ergebnisse der Waldzustandserhebung

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Versorgungsbilanzen, Markt- und Preisberichte sowie Fang- und Anlandedaten der deutschen Fischereiflotte und Daten zum ökologischen Landbau

Thünen-Institut

Bundeswaldinventur, Bewertung der Fischbestände, Emissionsinventar der Landwirtschaft sowie agrarökonomische und forstliche Analysen

Deutscher Bauernverband (DBV)

Jährlicher Situationsbericht mit Einordnung von Einkommen, Märkten und Strukturwandel aus Sicht der Landwirte

Eurostat

Harmonisierte Agrarstatistik der EU, Landwirtschaftliche Gesamtrechnung sowie Forst- und Fischereidaten für europäische Ländervergleiche

Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO)

Weltweite Datenbank FAOSTAT mit Produktion, Handel, Flächen, Fischerei und Forst für nahezu alle Länder der Erde

Häufige Fragen

Agrarwirtschaft-Statistiken: häufige Fragen

Warum geht die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurück, obwohl die Fläche kaum sinkt?

Der Strukturwandel führt dazu, dass kleinere Betriebe aufgeben und ihre Flächen von wachsenden Betrieben gepachtet oder gekauft werden. Die bewirtschaftete Fläche bleibt dadurch weitgehend in Nutzung, verteilt sich aber auf weniger, größere Einheiten. Zusätzlich können angehobene Erfassungsgrenzen die gezählte Betriebszahl senken. Wer den Wandel bewertet, sollte daher auch die durchschnittliche Betriebsgröße und die Verteilung nach Größenklassen betrachten.

Was ist der Unterschied zwischen Bundeswaldinventur und Waldzustandserhebung?

Die Bundeswaldinventur ist eine großräumige Stichprobeninventur, die in mehrjährigen Abständen Waldfläche, Holzvorrat, Zuwachs und Baumarten erfasst. Die Waldzustandserhebung wird jährlich durchgeführt und bewertet vor allem die Kronenverlichtung als Indikator für die Vitalität der Bäume. Die erste beantwortet also die Frage, wie viel Wald es gibt, die zweite, wie gesund er aktuell ist.

Wie werden Fangquoten in der Fischerei festgelegt?

Für die meisten kommerziell genutzten Bestände in Nord- und Ostsee legt der EU-Ministerrat jährlich zulässige Gesamtfangmengen fest. Grundlage sind wissenschaftliche Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), an denen das Thünen-Institut mitarbeitet. Die Mengen werden anschließend nach festen Schlüsseln auf die Mitgliedstaaten verteilt. Fangstatistiken sollten daher immer im Verhältnis zur jeweiligen Quote gelesen werden.

Wie zuverlässig sind Daten zum ökologischen Landbau?

Es gibt zwei Hauptquellen: die Agrarstrukturerhebung der amtlichen Statistik und die Meldungen der Öko-Kontrollstellen, die die BLE zusammenführt. Beide unterscheiden sich in Erfassungsgrenzen, Stichtagen und der Behandlung von Umstellungsflächen. Abweichungen zwischen den Reihen sind daher normal. Für Zeitvergleiche sollte man innerhalb einer Quelle bleiben und nicht zwischen beiden wechseln. Zudem wird die ökologisch bewirtschaftete Fläche teils mit, teils ohne Umstellungsflächen ausgewiesen.

Welche Quelle eignet sich für internationale Vergleiche der Landwirtschaft?

Für EU-Länder ist Eurostat die erste Wahl, weil die Mitgliedstaaten nach gemeinsamen Verordnungen und Definitionen melden. Für weltweite Vergleiche bietet FAOSTAT die breiteste Abdeckung, allerdings mit teils geschätzten Werten für Länder mit schwacher Statistik. Die OECD ergänzt Analysen zur Agrarpolitik und zu Stützungsmaßnahmen. Bei jedem Vergleich sollten Definitionen, etwa der landwirtschaftlich genutzten Fläche, geprüft werden.

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