Wie ungleich Vermögen und Einkommen weltweit verteilt sind
Vermögen ist weltweit noch viel ungleicher verteilt als Einkommen. Nach dem World Inequality Report 2026 des World Inequality Lab besitzen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung rund 75 Prozent des gesamten Privatvermögens, die ärmere Hälfte dagegen nur 2 Prozent. Beim Einkommen erhalten die obersten zehn Prozent 53 Prozent, die untere Hälfte 8 Prozent. Die Ungleichheit hat sich damit über Jahrzehnte kaum verringert, obwohl Schwellenländer wie China und Indien stark aufgeholt haben.
Zwischen den Ländern sind die Unterschiede groß. Bei der Einkommensverteilung, gemessen am Gini-Koeffizienten der Weltbank, reichen die Werte von unter 25 in der Slowakei und Slowenien bis über 54 in Kolumbien und Südafrika. Beim Vermögen sind die Werte überall deutlich höher: Nach der UBS erreichen die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland, Südafrika und Brasilien einen Vermögens-Gini von über 0,8. Deutschland liegt beim Einkommen mit einem Gini von 30,1 im Jahr 2025 knapp über dem EU-Durchschnitt, beim Vermögen mit 0,67 im internationalen Mittelfeld. Dieser Bericht vergleicht Vermögensklassen, regionale Unterschiede, Einkommensungleichheit und Armut weltweit, in Europa und in Deutschland.
So wird Ungleichheit gemessen
Wer über Ungleichheit spricht, sollte wissen, welche Kennzahl gemeint ist, denn die gängigen Maße beantworten unterschiedliche Fragen. Der Gini-Koeffizient fasst die gesamte Verteilung in einer einzigen Zahl zusammen und ist deshalb für Ländervergleiche besonders verbreitet. Er reagiert allerdings stärker auf Veränderungen in der Mitte der Verteilung als auf Veränderungen an den Rändern. Anteilsmaße wie der Anteil der reichsten zehn Prozent oder der unteren Hälfte zeigen dagegen direkt, wie viel vom Kuchen bei welcher Gruppe landet, und eignen sich besonders gut, um die Konzentration an der Spitze sichtbar zu machen.
Wichtig ist außerdem, was gemessen wird. Einkommen ist ein Strom, also das, was ein Haushalt in einem Jahr erhält, etwa Löhne, Renten oder Kapitalerträge. Vermögen ist ein Bestand, also alles, was ein Haushalt zu einem Zeitpunkt besitzt, abzüglich seiner Schulden. Vermögen ist fast immer deutlich ungleicher verteilt als Einkommen, weil es sich über viele Jahre und Generationen ansammelt und Erträge abwirft, die wiederum vor allem Vermögenden zufließen. Manche Studien betrachten zudem nur das Netto-Geldvermögen ohne Immobilien, andere das gesamte Nettovermögen einschließlich Wohneigentum, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.
- Gini-Koeffizient: 0 bedeutet völlige Gleichheit, 1 oder 100, dass eine Person alles besitzt oder erhält.
- S80/S20: Verhältnis der Einkommen der reichsten 20 Prozent zu denen der ärmsten 20 Prozent.
- Top-Anteile: Anteil der reichsten 10 Prozent, 1 Prozent oder 0,001 Prozent am Gesamtvermögen oder Gesamteinkommen.
- Armutsgefährdungsquote: Anteil der Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.
- Extreme Armut: Anteil der Menschen mit weniger als 3,00 US-Dollar pro Tag in Kaufkraftparitäten.
Die globale Verteilung von Vermögen und Einkommen
Der World Inequality Report 2026 fasst die Daten zu Einkommen und Vermögen aus mehr als 100 Ländern zusammen und gilt als eine der umfassendsten Quellen zur globalen Ungleichheit. Er zeigt, dass Vermögen stärker konzentriert ist als Einkommen. Beim Vermögen halten die reichsten zehn Prozent drei Viertel, das reichste Prozent allein 37 Prozent. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, rund vier Milliarden Menschen, besitzt zusammen nur 2 Prozent.
Vermögen noch ungleicher als Einkommen: Die obersten zehn Prozent halten 75 Prozent des Vermögens und erhalten 53 Prozent der Einkommen, die untere Hälfte nur 2 und 8 Prozent.
Beim Einkommen ist der Abstand geringer, aber immer noch groß. Die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher erhalten 53 Prozent aller Einkommen weltweit, die untere Hälfte 8 Prozent. Das reichste Prozent verdient zusammen rund zweieinhalbmal so viel wie die gesamte untere Hälfte der Weltbevölkerung. Besonders stark gewachsen ist der Anteil ganz an der Spitze: Die reichsten 0,001 Prozent, rund 56.000 Erwachsene, besitzen laut WIR 6,1 Prozent des globalen Vermögens, gegenüber rund 3,8 Prozent im Jahr 1995. Das ist dreimal so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit.
| Bevölkerungsgruppe | Anteil am Vermögen | Anteil am Einkommen |
|---|---|---|
| Reichste 10 Prozent | 75 Prozent | 53 Prozent |
| Reichstes 1 Prozent | 37 Prozent | rund 2,5-mal so viel wie die untere Hälfte |
| Reichste 0,001 Prozent | 6,1 Prozent (1995: rund 3,8 Prozent) | nicht ausgewiesen |
| Untere 50 Prozent | 2 Prozent | 8 Prozent |
Die Messung globaler Ungleichheit ist schwierig. Reiche Haushalte sind in Befragungen unterrepräsentiert, und in vielen Ländern fehlen verlässliche Steuer- und Vermögensdaten. Das World Inequality Lab kombiniert deshalb Haushaltsbefragungen, Steuerdaten, volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Reichenlisten. Andere Quellen wie die UBS oder die Allianz verwenden eigene Methoden und kommen daher zu anderen Zahlen, die Grundaussage einer starken Konzentration an der Spitze ist aber überall gleich.
Ungleichheit nach Weltregionen
Wie ungleich Einkommen verteilt sind, hängt stark von der Region ab. Europa ist nach dem World Inequality Report die gleichste Weltregion: Die obersten zehn Prozent erhalten dort 36 Prozent der Einkommen und die untere Hälfte 19 Prozent. In Nordamerika und Ozeanien sowie in Ostasien kommen die obersten zehn Prozent auf 46 Prozent. Am ungleichsten sind Lateinamerika, der Nahe Osten mit Nordafrika und Afrika südlich der Sahara, wo die obersten zehn Prozent 55 bis 57 Prozent der Einkommen erhalten und die untere Hälfte nur 8 bis 11 Prozent.
| Region | Einkommensanteil Top 10 % | Einkommensanteil Top 1 % | Einkommensanteil untere 50 % |
|---|---|---|---|
| Europa | 36 Prozent | 12 Prozent | 19 Prozent |
| Nordamerika und Ozeanien | 46 Prozent | 20 Prozent | 13 Prozent |
| Ostasien | 46 Prozent | 17 Prozent | 13 Prozent |
| Russland und Zentralasien | nicht einzeln ausgewiesen | 23 Prozent | 14 Prozent |
| Süd- und Südostasien | nicht einzeln ausgewiesen | 21 Prozent | 14 Prozent |
| Lateinamerika, Naher Osten und Nordafrika, Subsahara-Afrika | 55 bis 57 Prozent | 20 bis 24 Prozent | 8 bis 11 Prozent |
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die untere Hälfte. In Europa erhalten die ärmeren 50 Prozent 19 Prozent aller Einkommen, in Nordamerika und Ozeanien sowie in Ostasien nur 13 Prozent und in Russland und Zentralasien sowie Süd- und Südostasien 14 Prozent. Am anderen Ende kommt das reichste Prozent in Europa auf 12 Prozent der Einkommen, in Nordamerika und Ozeanien auf 20 Prozent und in Russland und Zentralasien auf 23 Prozent. Der Vorsprung Europas beruht vor allem auf progressiven Steuersystemen, umfangreichen Sozialleistungen, Tarifverträgen und einem vergleichsweise gleichen Zugang zu Bildung und Gesundheit.
Beim Vermögen sind die regionalen Unterschiede ähnlich. In Europa besitzen die reichsten zehn Prozent rund 60 Prozent des Vermögens, das reichste Prozent 25 Prozent. In Russland und Zentralasien liegt der Anteil der obersten zehn Prozent bei 74 Prozent, im Nahen Osten und Nordafrika bei 73 Prozent und in Afrika südlich der Sahara bei 70 Prozent. In Russland und Zentralasien hält das reichste Prozent allein 46 Prozent des Vermögens, fast doppelt so viel wie in Europa.
Europa am gleichsten: In Europa halten die reichsten zehn Prozent 60 Prozent des Vermögens, in Russland und Zentralasien 74 Prozent.
Auch die Verteilung des Weltvermögens auf die Regionen ist sehr ungleich. Nach dem Global Wealth Report 2026 der UBS entfielen Ende 2025 rund 40,6 Prozent des weltweiten Privatvermögens auf Nord- und Südamerika, davon allein 38,1 Prozent auf Nordamerika. Der asiatisch-pazifische Raum kam auf 32,8 Prozent, darunter 18,5 Prozent auf den Großraum China. Europa, der Nahe Osten und Afrika zusammen hielten 26,6 Prozent, wobei 21,9 Prozent auf Westeuropa entfielen. Afrika, wo fast ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, spielt beim Vermögen kaum eine Rolle.
Amerika vorn: Nord- und Südamerika halten 40,6 Prozent des Weltvermögens, Asien-Pazifik 32,8 Prozent und Europa, Nahost und Afrika 26,6 Prozent.
Vermögensklassen: Wer zur globalen Mittel- und Oberschicht gehört
Die Allianz teilt die Weltbevölkerung in ihrem Global Wealth Report 2025 nach dem Netto-Geldvermögen pro Kopf in drei Vermögensklassen ein. Die Grenzen werden jedes Jahr am weltweiten Durchschnitt ausgerichtet. Für 2024 gehörte zur globalen Vermögensmittelschicht, wer zwischen 11.100 und 66.700 Euro Netto-Geldvermögen besaß. Darunter liegt die Klasse mit geringem Vermögen, darüber die Vermögensoberschicht. Immobilien sind in dieser Betrachtung nicht enthalten, sondern nur Ersparnisse, Wertpapiere und Versicherungen abzüglich Schulden.
| Vermögensklasse | Netto-Geldvermögen pro Kopf 2024 | Größe laut Allianz | Entwicklung |
|---|---|---|---|
| Geringes Vermögen | unter 11.100 Euro | 4,3 Milliarden | plus 7 Prozent |
| Vermögensmittelschicht | 11.100 bis 66.700 Euro | rund 890 Millionen Personen | Anteil der Schwellenländer von 43 auf 64 Prozent gestiegen |
| Vermögensoberschicht | über 66.700 Euro | 550 Millionen | plus 37 Prozent |
Die globale Vermögensmittelschicht hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert. Laut Allianz stammen inzwischen 64 Prozent ihrer Mitglieder aus Schwellenländern, gegenüber 43 Prozent vor rund 20 Jahren. Vor allem der Aufstieg Chinas hat Hunderte Millionen Menschen aus der Klasse mit geringem Vermögen in die Mittelschicht gebracht. Die Vermögensoberschicht wuchs zuletzt um 37 Prozent, während die Gruppe mit geringem Vermögen um 7 Prozent zunahm, auch weil die Weltbevölkerung insgesamt weiter wächst.
Die Allianz beobachtet einen langfristigen Aufholprozess, der jedoch ins Stocken geraten ist. Das durchschnittliche Netto-Geldvermögen pro Kopf in den Industrieländern war 2004 noch 67-mal so hoch wie in den Schwellenländern, 2014 nur noch 24-mal und 2024 18-mal. Seit 2017 ist diese Annäherung laut Allianz jedoch mehr oder weniger zum Stillstand gekommen. Weltweit halten die reichsten zehn Prozent, rund 570 Millionen Menschen, 85,1 Prozent des gesamten Netto-Geldvermögens, im Schnitt 324.640 Euro pro Person. Vor 20 Jahren waren es noch 92,1 Prozent.
Innerhalb der einzelnen Länder hat sich dagegen kaum etwas verändert. Im ungewichteten Durchschnitt der untersuchten Länder hielten die reichsten zehn Prozent 2024 rund 60,4 Prozent des Netto-Geldvermögens, fast genauso viel wie 2004 mit 59,9 Prozent. In China ist ihr Anteil in dieser Zeit um 17,3 Prozentpunkte auf 67,9 Prozent gestiegen, in den USA liegt er bei 67,2 Prozent. Am gleichmäßigsten verteilt ist das Geldvermögen in den Niederlanden mit 46,2 Prozent, Frankreich liegt bei 54,7 Prozent.
China holt bei der Ungleichheit auf: Die reichsten zehn Prozent in China halten 67,9 Prozent des Geldvermögens, 17,3 Prozentpunkte mehr als 2004.
- Mittelschicht: rund 890 Millionen Menschen mit 11.100 bis 66.700 Euro Netto-Geldvermögen.
- Top 10 Prozent: 85,1 Prozent des globalen Netto-Geldvermögens, nach 92,1 Prozent vor 20 Jahren.
- Aufholprozess: Abstand zwischen reichen und Schwellenländern von 67:1 (2004) auf 18:1 (2024) gesunken.
- Stillstand: Seit 2017 kaum weitere Annäherung.
- Innerhalb der Länder: Top-10-Prozent-Anteil im Schnitt unverändert bei rund 60 Prozent.
Vermögensungleichheit im Ländervergleich
Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit einer Verteilung auf einer Skala von 0 bis 1. Ein Wert von 0 bedeutet, dass alle gleich viel besitzen, ein Wert von 1, dass eine einzige Person alles besitzt. Beim Vermögen liegen die Werte fast überall deutlich über denen beim Einkommen, weil viele Menschen kaum Vermögen haben und große Vermögen sich über Generationen ansammeln.
Emirate, Russland, Südafrika und Brasilien am ungleichsten: Ihr Vermögens-Gini liegt bei 81 bis 82, in der Slowakei nur bei 38.
Nach dem Global Wealth Report 2026 der UBS ist das Vermögen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland mit einem Gini von jeweils 0,82 am ungleichsten verteilt, dicht gefolgt von Südafrika und Brasilien mit 0,81. Die USA erreichen 0,77, Schweden überraschend 0,74. In Schweden sind die Einkommen zwar sehr gleichmäßig verteilt, beim Vermögen führen Ökonomen den hohen Wert aber unter anderem auf die hohe private Verschuldung vieler Haushalte und die starke Konzentration großer Familienunternehmen zurück. Deutschland liegt mit 0,67 knapp unter der Schweiz mit 0,68. Am gleichmäßigsten ist das Vermögen in der Slowakei mit 0,38 und Belgien mit 0,46 verteilt, was unter anderem mit dem hohen Anteil an Wohneigentum erklärt wird.
Einkommensungleichheit im weltweiten Vergleich
Für die Einkommensverteilung veröffentlicht die Weltbank Gini-Indizes auf einer Skala von 0 bis 100, die auf Haushaltsbefragungen beruhen. Am ungleichsten sind die Einkommen im südlichen Afrika und in Lateinamerika. Kolumbien kommt auf einen Gini von 54,4, Südafrika auf 54,1 und Brasilien auf 50,3. In Namibia und Botswana lagen die Werte bei den letzten verfügbaren Erhebungen sogar bei 59,1 und 54,9, allerdings stammen diese Daten aus dem Jahr 2015.
Lateinamerika und südliches Afrika am ungleichsten: Kolumbien und Südafrika kommen auf einen Gini von über 54, die Slowakei auf 23,8.
Selbst in den ungleichsten Ländern gibt es Bewegung. In Südafrika, das lange als das Land mit der größten Einkommensungleichheit der Welt galt, sank der Gini-Index laut Weltbank von 65,0 im Jahr 2005 auf 54,1 im Jahr 2022. Ein Teil dieses Rückgangs geht allerdings auf Revisionen der Datenbasis zurück; so wurde der Wert für 2014 inzwischen von 63,0 auf 59,6 korrigiert. Solche Revisionen zeigen, dass Gini-Werte aus Haushaltsbefragungen mit Unsicherheit behaftet sind und Vergleiche über viele Jahre vorsichtig interpretiert werden sollten.
Unter den großen Volkswirtschaften sind die USA mit einem Gini von 41,8 im Jahr 2024 am ungleichsten, gefolgt von Mexiko mit 42,6 und der Türkei mit 43,7. China liegt bei 36,0, Deutschland nach Weltbank-Methode bei 33,7, Großbritannien bei 32,4 und Frankreich bei 31,8. Die gleichmäßigsten Einkommen haben die Slowakei mit 23,8, Slowenien mit 24,7 und Norwegen mit 26,5. Der niedrige Wert für Indien von 25,5 ist mit Vorsicht zu lesen, weil er auf Konsumausgaben statt auf Einkommen beruht.
Nach Angaben der Weltbank lebten Ende 2024 in 49 Ländern mit einem Gini-Index von über 40, die als hoch ungleich gelten, rund 22 Prozent der Weltbevölkerung. Hohe Ungleichheit geht häufig mit höherer Armut, geringerer sozialer Mobilität und schwächerem Wirtschaftswachstum einher, weshalb die Weltbank die Zahl dieser Länder inzwischen als eigenes Entwicklungsziel beobachtet.
| Land | Gini-Index | Jahr |
|---|---|---|
| Kolumbien | 54,4 | 2024 |
| Südafrika | 54,1 | 2022 |
| Brasilien | 50,3 | 2024 |
| Türkei | 43,7 | 2023 |
| Mexiko | 42,6 | 2024 |
| USA | 41,8 | 2024 |
| China | 36,0 | 2022 |
| Deutschland | 33,7 | 2022 |
| Großbritannien | 32,4 | 2021 |
| Japan | 32,3 | 2020 |
| Frankreich | 31,8 | 2023 |
| Schweden | 29,3 | 2023 |
| Norwegen | 26,5 | 2023 |
| Indien (Konsum) | 25,5 | 2022 |
| Slowakei | 23,8 | 2023 |
Einkommensungleichheit in der Europäischen Union
Innerhalb der Europäischen Union misst Eurostat die Einkommensungleichheit mit der Erhebung EU-SILC. Der Gini-Koeffizient des verfügbaren Äquivalenzeinkommens lag 2025 für die EU-27 bei 29,2, nach 29,4 im Jahr 2024 und 29,6 im Jahr 2023. Die Ungleichheit ist in der EU damit leicht rückläufig. Am ungleichsten sind die Einkommen in Bulgarien mit 37,7, Lettland mit 35,6 und Litauen mit 35,5, am gleichmäßigsten in der Slowakei mit 23,0 und in Belgien mit 23,4.
Deutschland über dem EU-Schnitt: Mit 30,1 lag der Gini in Deutschland 2025 über dem EU-Durchschnitt von 29,2.
Zwischen 2024 und 2025 hat sich die Einkommensungleichheit in den Mitgliedstaaten unterschiedlich entwickelt. Deutlich gestiegen ist der Gini-Koeffizient in Ungarn um 1,5 Punkte auf 29,5, in Lettland um 1,4 Punkte auf 35,6 und in der Slowakei um 1,3 Punkte auf 23,0. Gesunken ist er dagegen in Italien um 1,2 Punkte auf 31,0, in Belgien um 1,2 Punkte auf 23,4, in Polen um 1,1 Punkte auf 24,9 und in Portugal um 1,0 Punkte auf 30,9. In Deutschland stieg der Wert um 0,6 Punkte auf 30,1. Außerhalb der EU erfasst Eurostat auch einige Nachbarländer: Die Türkei kommt mit 43,9 auf einen deutlich höheren Wert als jedes EU-Land, Serbien auf 32,0, während Norwegen mit 23,7 zu den gleichsten Ländern Europas gehört. Für die Schweiz liegt mit 31,0 nur ein Wert für 2024 vor.
Ein zweites wichtiges Maß ist das Einkommensquintilverhältnis S80/S20. Es gibt an, wie viel mehr Einkommen die reichsten 20 Prozent im Vergleich zu den ärmsten 20 Prozent erhalten. In der EU sank dieses Verhältnis von 4,74 im Jahr 2022 auf 4,62 im Jahr 2025. Die reichsten 20 Prozent der Europäer haben also gut das 4,6-Fache des Einkommens der ärmsten 20 Prozent. Die Armutsgefährdungsquote in der EU lag 2025 bei 16,3 Prozent.
| Kennzahl | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Gini EU-27 | 29,6 | 29,4 | 29,2 |
| Gini Deutschland | 29,4 | 29,5 | 30,1 |
| S80/S20 EU-27 | 4,72 | 4,66 | 4,62 |
| S80/S20 Deutschland | 4,44 | 4,49 | 4,68 |
| Armutsgefährdungsquote EU-27 | nicht ausgewiesen | 16,2 Prozent | 16,3 Prozent |
Deutschland im Vergleich
In Deutschland ist die Einkommensungleichheit zuletzt wieder gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Basis von EU-SILC lag der Gini-Koeffizient 2025 bei 30,1, nach 29,5 im Jahr 2024 und 29,0 im Jahr 2022. Höher war er zuletzt 2021 mit 31,2. Auch das Verhältnis S80/S20 stieg von 4,4 im Jahr 2023 auf 4,7 im Jahr 2025. Deutschland liegt damit bei der Einkommensungleichheit im europäischen Mittelfeld, knapp über dem EU-Durchschnitt, aber deutlich unter Ländern wie Bulgarien, Italien oder Spanien.
Wieder steigend: Der Gini-Koeffizient der Einkommen in Deutschland stieg von 29,0 im Jahr 2022 auf 30,1 im Jahr 2025.
Nach vorläufigen Ergebnissen von Destatis waren 2025 rund 16,1 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet, etwa 13,3 Millionen Menschen, nach 15,5 Prozent im Vorjahr. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat; für eine alleinlebende Person lag diese Schwelle bei 1.446 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro. Besonders hoch war das Risiko bei Alleinlebenden mit 30,9 Prozent, Alleinerziehenden mit 28,7 Prozent und Arbeitslosen mit 64,9 Prozent. Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren insgesamt 21,2 Prozent, rund 17,6 Millionen Menschen.
Beim Vermögen fällt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich ungleicher aus als beim Einkommen. Mit einem Vermögens-Gini von 0,67 laut UBS liegt Deutschland zwar klar unter den USA, aber deutlich über Ländern wie Belgien, Italien oder Japan. Ein wichtiger Grund ist die niedrige Wohneigentumsquote: Weil viele Haushalte zur Miete wohnen, fehlt ihnen der größte Vermögensbaustein, den Haushalte in anderen Ländern besitzen.
Extreme Armut weltweit
Am unteren Ende der Verteilung steht die extreme Armut. Nach der Aktualisierung der Weltbank vom September 2026 lebten im Jahr 2024 rund 824 Millionen Menschen, 10,1 Prozent der Weltbevölkerung, von weniger als 3,00 US-Dollar pro Tag, gemessen in Kaufkraftparitäten von 2021. Für 2026 erwartet die Weltbank einen Rückgang auf 9,8 Prozent. Die neue Armutsgrenze von 3,00 US-Dollar ersetzte 2025 die frühere Grenze von 2,15 US-Dollar und erhöhte die Zahl der als extrem arm gezählten Menschen.
Langfristig ist die extreme Armut stark zurückgegangen: 1990 lebten nach Weltbank-Angaben noch rund 2,3 Milliarden Menschen in extremer Armut. Der Fortschritt hat sich jedoch deutlich verlangsamt, und die verbleibende Armut konzentriert sich zunehmend auf Afrika südlich der Sahara und auf Länder mit Konflikten. Die Entwicklungsorganisation Oxfam weist darauf hin, dass die Milliardäre ihr Vermögen allein im Jahr 2025 um 2,5 Billionen US-Dollar steigerten, fast so viel, wie die ärmere Hälfte der Menschheit, rund 4,1 Milliarden Menschen, insgesamt besitzt.
Ausblick: Wird die Welt gleicher?
Die Daten zeichnen ein gemischtes Bild. Zwischen den Ländern ist die Welt über die letzten zwei Jahrzehnte gleicher geworden, weil Schwellenländer wie China, Indien und Indonesien stark gewachsen sind. Der Anteil der reichsten zehn Prozent am globalen Geldvermögen sank laut Allianz von 92,1 auf 85,1 Prozent. Innerhalb der Länder ist die Konzentration dagegen weitgehend unverändert geblieben oder, wie in China, sogar deutlich gestiegen.
Ganz an der Spitze nimmt die Konzentration weiter zu. Der Anteil der reichsten 0,001 Prozent am Weltvermögen hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre fast verdoppelt. Steigende Aktien- und Immobilienpreise begünstigen vor allem Menschen, die bereits Vermögen besitzen, während Haushalte ohne Vermögen von diesen Zuwächsen kaum profitieren. Wie stark Steuerpolitik, Erbschaften und die Entwicklung der Finanzmärkte diese Entwicklung in den kommenden Jahren beeinflussen, dürfte eine der zentralen wirtschaftspolitischen Fragen bleiben.
- Konvergenz: ob Schwellenländer beim Vermögen wieder schneller aufholen, nach dem Stillstand seit 2017.
- Spitzenvermögen: Anteil der reichsten 0,001 Prozent, zuletzt 6,1 Prozent des Weltvermögens.
- Europa: leicht sinkende Einkommensungleichheit in der EU, aber steigend in Deutschland.
- Armut: Rückgang der extremen Armut auf 9,8 Prozent bis 2026 erwartet.
- Daten: neue Ausgaben von UBS, Allianz und Weltbank erscheinen jährlich.
Ungleichheit in Zahlen
Häufig gestellte Fragen
Laut World Inequality Report 2026 besitzen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung rund 75 Prozent des Privatvermögens, das reichste Prozent 37 Prozent und die ärmere Hälfte nur 2 Prozent.
Die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher erhalten 53 Prozent aller Einkommen weltweit, die untere Hälfte 8 Prozent.
Nach dem Global Wealth Report 2026 der UBS haben die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland mit einem Gini-Koeffizienten von 0,82 die höchste Vermögensungleichheit, gefolgt von Südafrika und Brasilien mit 0,81.
Unter den Ländern mit aktuellen Weltbank-Daten haben Kolumbien mit einem Gini-Index von 54,4 und Südafrika mit 54,1 die höchste Einkommensungleichheit.
Die Allianz zählt zur globalen Vermögensmittelschicht, wer 2024 zwischen 11.100 und 66.700 Euro Netto-Geldvermögen pro Kopf besaß. Darunter liegt die Klasse mit geringem Vermögen, darüber die Vermögensoberschicht.
Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Einkommen lag in Deutschland 2025 bei 30,1 und damit über dem EU-Durchschnitt von 29,2. Beim Vermögen kommt Deutschland laut UBS auf 0,67.
Europa ist laut World Inequality Report die gleichste Weltregion. Dort erhalten die obersten zehn Prozent 36 Prozent der Einkommen und besitzen rund 60 Prozent des Vermögens.
Laut Weltbank lebten 2024 rund 824 Millionen Menschen oder 10,1 Prozent der Weltbevölkerung von weniger als 3,00 US-Dollar pro Tag.
Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit einer Verteilung. Ein Wert von 0 bedeutet völlige Gleichheit, ein Wert von 1 oder 100, dass eine einzige Person alles besitzt oder erhält.
World Inequality Lab - World Inequality Report 2026, Zusammenfassung.
World Inequality Lab - regionale Einkommensungleichheit.
World Inequality Lab - regionale Vermögensungleichheit.
UBS - Global Wealth Report 2026.
Allianz - Global Wealth Report 2025, Vermögensverteilung.
Weltbank - Gini-Index nach Ländern.
Weltbank - Globale Armut, Aktualisierung September 2026.
Weltbank - Länder mit hoher Ungleichheit.
Eurostat - Gini-Koeffizient des verfügbaren Äquivalenzeinkommens.
Statistisches Bundesamt - Einkommensungleichheit in Deutschland.
Statistisches Bundesamt - Armutsgefährdung 2025.
Oxfam - Ungleichheitsbericht Januar 2026.
